Kundalini Yoga

Was ist Kundalini
Yogi Bhajan
Sadhana
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Was ist Kundalini Yoga?

Kundalini Yoga versteht sich als Yoga des Bewusstseins. Es ist eine ganzheitliche Methode der Körper- und Energiearbeit, die es ermöglicht, das volle menschliche Potential kennen zu lernen und zu leben. Im Verständnis des Yoga sind Körper, Geist und Seele verschiedene Ebenen des Seins, die untereinander in engem Zusammenhang stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Yoga ist ein menschlicher Entwicklungsweg, der Körper, Geist und Seele vereint. Die Energiepunkte und -bahnen regulieren nicht nur körperliche Funktionen, sondern bewirken je nach Öffnung einen anderen Bewusstseins Zustand. Yoga und Meditation wirken deshalb nicht nur auf den Körper, sondern auf alle Bereiche des Seins – die psychisch geistige Ebene eingeschlossen.

  
 

„Im Yoga ist die Erfahrung das Wichtigste. Deine Erfahrung geht direkt in dein Herz. Worte können Erfahrungen nicht ersetzen, weil das Bewusstsein sie nicht annimmt. Du erweiterst dein Bewusstsein, um zu einem größeren Verständnis von Würde und Wahrheit zu gelangen. Dann kannst du dein Leben ungehindert so planen, wie du es dir wünscht. Du wirst Kreativität und Unbegrenztheit in alle Aspekte deines täglichen Lebens bringen.“ (Yogi Bhajan)

 

Spiritualität und Alltag 

Kundalini Yoga verlangt keinen Rückzug in die Askese, sondern arbeitet im Gegenteil daran, spirituelle Disziplin und Alltag miteinander zu verbinden. Aus der Sicht des Yoga kommt die Seele auf die Erde, um eine menschliche Erfahrung zu machen. Nur ein normales menschliches Leben und das Sich-Einlassen auf die menschlichen Erfahrungen machen das möglich. Der Yoga-Schüler wird gezielt über dynamische Körper- und Energieübungen und die Atmung in körperliche und psychische Ruhe und Entspannung geführt. Sie bilden die Voraussetzung für innere Gelassenheit und einen meditativen Geist, Voraussetzungen für Meditation und Erleuchtung.
Die Übungen im Kundalini Yoga sind meist aktiver und schwungvoller als in anderen Yoga-Richtungen. Diese Tatsache und der integrale Ansatz machen die Energiearbeit sehr effektiv. Die ausgleichende und entspannende Wirkung ist unmittelbar spürbar. Kundalini Yoga bietet sich daher besonders für die beanspruchten Menschen der heutigen Zeit an, die mitten im Leben stehen und in möglichst kurzer Zeit mit wenig Aufwand eine grosse Wirkung erzielen wollen.

 

Integration aller Yoga Aspekte
Alle Yoga-Schulen arbeiten an der Anregung und Harmonisierung der Lebensenergie. In den meisten Schulen werden allerdings einzelne Aspekte des ursprünglichen Yoga vertieft: Im Hatha Yoga die Körperarbeit, im Raja Yoga die Meditation oder im Karma Yoga das „selbstlose“ Handeln im Dienen. Im Kundalini Yoga sind die Elemente des Yoga – wie sie ursprünglich gelehrt wurden – wirkungsvoll miteinander verknüpft. Auch wenn eine Übungsreihe an einem spezifischen Problembereich arbeitet, wirkt sie ausgleichend auf das ganze System. KY arbeitet mit Bewegung und Dynamik. Letztere ist neben Atem und Klang das eigentliche Element, mit dem die Energie in Fluss gebracht wird . Der Atem hat einen zentralen Stellenwert und wird praktisch während allen Übungen bewusst eingesetzt.

 

Die grundlegende Technik 
Eine Kundalini Übungslektion teilt sich in drei Abschnitte auf:

1. Kriya (Übungsreihe mit Körperübungen)
2. Tiefenentspannung
3. Meditation

Sowohl Körperübungen wie auch Meditationen werden mit einer bestimmten Absicht – Anregung der Organe, Drüsen, Auflösung von Blockaden, Verminderung von Angst, Stress, Schlaflosigkeit, Erweiterung des Bewusstseins – ausgewählt. Die Tiefenentspannung ist ein wesentliches Instrument zur Integration der durch die Körperübungen generierten Energie.

Jede Kundalini Yoga Übung beinhaltet drei Aspekte:

1. Asana, die Körperhaltung
2. Pranayama, die Atemführung
3. Dhyana, die Meditation

 

Asana – Körperhaltung
Es gibt im Kundalini Yoga ungefähr 50 Basishaltungen. Alle bekannten Haltungen des Hatha Yoga wie Pflug, Dreieck, Kobra, Bogen oder Brücke gehören dazu. Im Kundalini Yoga wird der Kopfstand mit dem Schulterstand ersetzt, da er unproblematisch für die Nackenwirbelsäule ist. Neben einer fokussierten Ausführung der Übungen und einer allmählichen Steigerung der Flexibilität, geht es im Kundalini Yoga auch um Entspannung, körperliche Gesundheit, Vitalität und nicht zuletzt um Bewusstseinserweiterung.

„Das erste, was du als Mensch verstehen lernen musst, ist dein Fortbewegungsinstrument – der physische Körper. All diese Systeme (Drüsen, Blutkreislauf, Atemapparat, Herzschlag, Hirn und Nervensystem) sind über eine Struktur aus Fleisch und Knochen miteinander verbunden. Es ist ein funktional zusammenhängendes System. Und als solches braucht es „Wartung, Pflege und Feinabstimmung.“ (Yogi Bahjan)

 

Pranayama – Atemführung 
Wie wir atmen, hat mit unserer Lebenskraft und unserem Lebensgefühl zu tun. Deshalb ist das richtige und intensive Atmen wichtig. Viele Menschen atmen oberflächlich und unvollständig. Dies kann leicht zur Nervosität führen und macht anfällig für Stress und Negativität. Um sich davon zu befreien, ist eine vollständige Atmung grundlegend.
So wie Emotionen den Rhythmus unserer Atmung beeinflussen, kann sie umgekehrt unsere Selbstwahrnehmung und Gefühle verändern. Im Kundalini Yoga werden neben der bewussten Atmung auch verschiedene Atemtechniken, wie Wechselatmung, Feueratmung oder Atmung in einem bestimmten Rhythmus geübt. So wird die Kapazität der Lunge erweitert und die Lungenfunktion gekräftigt. Dies wiederum wirkt sich positiv auf Wohlbefinden und Tatkraft aus.
Im KY atmet man im Normalfall durch die Nase. Die Luft wird dadurch erwärmt, gereinigt und befeuchtet, bevor sie in die Lunge kommt. Zudem beginnen in der Nase zwei energetische Kanäle – Ida und Pingala. Diese werden durch die Nasenatmung angeregt. Die zwei grundlegenden Atemformen sind: langer, tiefer Atem und Feueratem .

 

Langer tiefer Atem
Dieser Atem wirkt entspannend und gibt ein Gefühl von innerem Frieden. Er wird langsam und tief durchgeführt. Die Einatmung besteht aus drei Phasen:

1. Entspanne deinen Bauch, so dass das Zwerchfell Raum bekommt, sich nach unten auszudehnen.
2. Fülle den Brustkorb mit Luft. Der Brustkorb weitet sich aus.
3. Fülle die Lungenspitzen. Brustbein und Schlüsselbein heben sich.

Die Ausatmung beginnt oben. Die Muskulatur wird in umgekehrter Weise entspannt.

 

Feueratem 
Diese Atemtechnik wirkt reinigend und regenerierend. Es ist ein kräftiger „Blasebalg-Atem", der nur mit Bauch und Zwerchfell durchgeführt wird. Beim Einatmen wölbt sich der Bauch nach aussen, beim Ausatmen nach innen. Ein- und Ausatmungsphase sind gleich lang. Anfänger führen den Feueratem langsam durch, dafür achten sie auf Regelmässigkeit. Fortgeschrittenen atmen ungefähr zweimal pro Sekunde.


Dhyana – Meditation 
Meditation ist ein integraler Bestandteil des Kundalini Yoga. Von der Einsicht ausgehend, dass wir unseren Körper nicht vollständig entspannen können, solange unser Geist mit seinem endlosen Programm von Plänen, Sorgen, Ängsten fortfährt. Da es nicht möglich ist, seinen Geist auf Befehl in Leerlauf zu setzen, bringen wir ihn zur Ruhe, indem wir ihn auf bestimmte Punkte oder Wörter fokussieren. Dies sind der Punkt zwischen den Augenbrauen, der Nabelpunkt und der Scheitelpunkt. Sie spielen auch energetisch eine wichtige Rolle.

 

Mudras – Bhandas
Die Kundalini Yoga Asanas und Kryas bieten in ihrer Kombination aus Körperhaltungen und Bewegungsabläufen, inneren Konzentrationspunkten und Atemführung sowie dem Gebrauch von Mantras Mudras und Bhandas eine ungeheure Vielfalt an Möglichkeiten an individuellen Schwerpunkten zu arbeiten.

Mantras
Die Focus Wörter werden Mantras genannt. "Man" heisst Geist, "Tra" heisst Projektion. Sie sind Konzentrationswörter, die dazu dienen den Geist auszurichten und zu beruhigen. Durch ihren Klang wirken sie entspannend und heilend auf Körper, Geist und Seele. Die folgenden Mantras werden in allen Kundalini Yoga Klassen gebraucht:

Das Anfangsmantra:

ONG NAMO GURU DEV NAMO

Ich begrüsse die Kosmische Energie (Ong)
und den erhabenen (dev) Weg,
der uns vom Dunkeln (Gu)
ins Licht (Ru) führt.

 

Anschliessend wird dreimal das Schutzmantra rezitiert:

AD GUREH NAMEH
JUGAD GUREH NAMEH
SAT GUREH NAMEH
SIRI GURU DEVEH NAMEH

Ich verbinde mich mit der Weisheit,
die immer war, die durch alle Zeitalter ist,
die wahre Weisheit,
die erhabene grossartige Weisheit“.



Das Abschlussmantra: 

May the long time
Dieses Lied schliesst den KY Unterricht ab, gefolgt vom Abschluss-Mantra Sat Nam.

May the long time sun shine upon you
all love surround you
and the pure light within you
guide your way on.

Lass sie ewige Sonne auf dich scheinen
Liebe dich umhüllen
und das reine Licht in deinem Innern
dir den Weg weisen.

SAT NAM


Sat = Wahrheit
Nam = Identität
Sat Nam : Wahre Identität

Das Mantra SAT NAM wird zudem bei den Yoga Übungen dazu benützt, den Fokus aufrecht zu halten: Beim Einatmen wird im Geist "Sat" und beim Ausatmen „Nam“ rezitiert.
Die Mantras im Kundalini Yoga stammen aus dem Gurmukhi, einer dem Sanskrit verwandten heiligen Sprache. Sie eignet sich ideal, das Bewusstsein durch Klang und Rhythmus (Naad) zu beeinflussen. 

  

Mudras
Mudras sind Hand- und Fingerhaltungen, die bestimmte Meridiane stimulieren und Energieverbindungen herstellen. Einige zentrale Mudras:

Gyan Mudra für Wissen, Ruhe und Empfänglichkeit 
Gyan Mudra ist das am häufigsten benutzte Mudra. Daumen (Ego – Ich) und Zeigefinger (Jupiterfinger – steht für Weisheit und Wachstum) werden zusammengelegt. Das stimuliert Wissen, innere Ruhe und Empfänglichkeit.

 

Venusschloss für sexuelle Ausgeglichenheit 
Das Venusschloss ist ein weiteres häufig gebrauchtes Mudra. Der Name leitet sich daraus ab, dass die Daumen (Ego) mit den Venushügeln unterhalb der Daumenwurzeln in Verbindung gebracht werden. Venus steht für die Kräfte der Sinnlichkeit und Sexualität, die durch dieses Mudra ins Gleichgewicht kommen.

 


Bahndas
Bahndas – Körperschleusen – bewegen die Körperenergie und wirken dadurch positiv auf das Bewusstsein und die Selbstheilungskräfte. Sie sorgen für die Kanalisierung der Lebensenergie Prana in die Hauptenergiebahnen; Nadis. Jede Körperschleuse wirkt auf den Blutkreislauf, stimuliert das Fliessen der Rückenmarkflüssigkeit und übt einen spezifischen Druck auf die Nerven aus.

Wurzelschleuse (Mulbandh)
Die Wurzelschleuse (Mulbandh) wird im Kundalini Yoga sehr häufig benutzt, um die Energie der unteren drei Chakras – Rektum (Enddarm), Geschlechtsorgane und Nabelpunkt – zu koordinieren und zu kombinieren. Mulbandh integriert die Energie, die durch die vorgehenden Übungen aktiviert wurde. Wird Mulbandh aktiviert, kommen die Energien Prana (aufnehmend) und Apana (abgehend) ins Gleichgewicht.

Zwerchfellschleuse (Uddiyana Bandh)
Man hebt den das Zwerchfell und zieht die oberen Bauchmuskeln an. Damit wird Energie ins Rückgrat gelenkt.

 

Nackenschleuse (Jalandhara Bandh)
Die Nackenschleuse (Jalandhara Bandh) ist eine der wichtigsten Körperschleusen im Kundalini Yoga. Sie wird bei allen Übungen und Meditationen angewendet, sofern es nicht anders vorgeschrieben ist. Durch die Nackenschleuse kann Prana ungehindert zum Gehirn und zu den Drüsen im Kopfbereich fliessen.

 

 

Wichtige Hinweise 
Am besten sollte man zwei Stunden vor den Yogaübungen nichts mehr essen. Trinken ist kein Problem. Im Gegenteil; Wasser vor, nach und sogar während des Unterrichts ist gut, um den inneren Reinigungsprozess zu unterstützen.
Frauen, die gerade ihre Menstruation haben, schonen sich beim Yoga. Übungen, bei denen Druck auf den Bauch entsteht, werden nicht oder weniger intensiv gemacht.
Wer ein Wirbelsäulenproblem hat oder in medizinischer Behandlung ist, bespricht das mit der Lehrperson und achtet während den Übungen auf die eigenen Grenzen.
Es ist empfehlenswert barfuss zu üben. 
Um tief greifende und dauerhafte Veränderungen durch Yoga zu erreichen, ist es wichtig, regelmässig zu üben – auch zu Hause. Besonderes eignet sich dabei der frühe Morgen, ab 04.00 Uhr.

 

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